Spielt Candy Crush 2026 noch jemand? King hat 200 Millionen Spieler – und trotzdem kaum neue Apps - Check-App
Candy Crush gehört zu diesen Apps, bei denen man leicht glauben könnte, ihre Zeit sei längst vorbei. Das Spiel taucht kaum noch in allgemeinen Gaming-Diskussionen auf, erzeugt keine großen Debatten über Grafik, offene Welten oder neue Konsolen und wird in sozialen Netzwerken selten als aktueller Trend behandelt. Seit der Veröffentlichung auf Smartphones sind inzwischen fast 14 Jahre vergangen. Für ein Mobile Game ist das normalerweise ein Alter, in dem selbst ehemalige Erfolge nur noch aus nostalgischen Gründen erwähnt werden.
Bei Candy Crush ist die Lage anders. Das Spiel ist aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden, aus dem Alltag seiner Spieler aber offenbar nicht. King nennt Anfang 2026 weiterhin mehr als 200 Millionen monatlich aktive Nutzer für das gesamte eigene Spieleportfolio. Diese Zahl umfasst Candy Crush Saga, Candy Crush Soda Saga, Farm Heroes Saga und die weiteren King-Spiele. Wie viele davon ausschließlich Candy Crush Saga spielen, verrät das Unternehmen nicht. Trotzdem zeigt die Größenordnung, dass King weiterhin zu den größten Mobile-Games-Entwicklern der Welt gehört.
Die interessantere Frage lautet deshalb nicht, ob Candy Crush noch jemand spielt. Das ist eindeutig der Fall. Interessant ist, wie King mit diesem Erfolg umgeht. Während andere Mobile-Publisher ständig neue Apps testen, Spiele einstellen und neue Marken aufbauen, konzentriert sich King zunehmend auf die Pflege weniger alter Dauerbrenner. Neue Apps erscheinen nur vereinzelt und tragen fast immer einen bekannten Namen.
Die 200 Millionen Spieler gehören nicht allein Candy Crush
Kings eigene Formulierung sollte genau gelesen werden. Das Unternehmen spricht von mehr als 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern über alle King-Spiele hinweg. Eine aktuelle Einzelzahl für Candy Crush Saga veröffentlicht King nicht. Die 200 Millionen dürfen daher nicht mit 200 Millionen Candy-Crush-Spielern gleichgesetzt werden.
Candy Crush dürfte dennoch den mit Abstand größten Anteil liefern. King bezeichnet die Candy-Crush-Reihe weiterhin als umsatzstärkstes Spiele-Franchise in den US-App-Stores über einen Zeitraum von sechs Jahren. Auf der offiziellen Spieleübersicht steht Candy Crush Saga weiterhin an erster Stelle, gefolgt von Candy Crush Soda Saga, Farm Heroes Saga und Candy Crush Solitaire. Insgesamt präsentiert King dort aktuell 13 Spiele, von denen die meisten bereits seit vielen Jahren verfügbar sind.
Auch der laufende Betrieb spricht gegen die Vorstellung eines aussterbenden Spiels. Die Android-Version von Candy Crush Saga wurde zuletzt am 9. Juli 2026 aktualisiert. King liefert nach eigenen Angaben jede Woche neue Inhalte und Level aus. Candy Crush wird damit ähnlich betrieben wie ein dauerhaft laufender Online-Dienst: Das Grundspiel bleibt bestehen, während Events, Belohnungssysteme und neue Aufgaben regelmäßig ergänzt werden.
Für Außenstehende wirkt das unspektakulär. Für King ist es ein ausgesprochen effizientes Geschäftsmodell. Das Unternehmen muss keine neue Spielmechanik erklären und keine neue Spielergemeinschaft aufbauen. Millionen Nutzer kennen das Prinzip bereits, haben teilweise jahrelangen Fortschritt gespeichert und öffnen das Spiel aus Gewohnheit.
Candy Crush verdient weiterhin enorm viel Geld
Microsoft veröffentlicht keine separaten Umsätze für King. Seit der Übernahme von Activision Blizzard werden Candy Crush, Call of Duty, World of Warcraft und weitere Spiele innerhalb des größeren Microsoft-Gaming-Geschäfts zusammengefasst. Im Geschäftsjahr 2025 stieg Microsofts Gaming-Umsatz um neun Prozent. Der Umsatz mit Xbox-Inhalten und Diensten legte um 16 Prozent zu, wobei Microsoft ausdrücklich auch die Übernahme von Activision Blizzard als Ursache nennt. Wie viel davon auf King entfiel, lässt sich aus dem Geschäftsbericht nicht ableiten.
Schätzungen von AppMagic geben zumindest eine Vorstellung von der Größenordnung. Demnach erzielte Candy Crush Saga im April 2025 rund 108,25 Millionen US-Dollar mit In-App-Käufen. Das lag nur knapp unter dem von AppMagic ermittelten bisherigen Monatsrekord aus dem Oktober 2021. Werbeumsätze und Einnahmen außerhalb der App-Stores sind in dieser Schätzung nicht enthalten. King selbst kommentiert solche Drittanbieterzahlen grundsätzlich nicht.
Eine weitere AppMagic-Auswertung schätzt den Umsatz von Candy Crush Saga für das gesamte Jahr 2025 auf rund eine Milliarde US-Dollar. Candy Crush Soda Saga soll zusätzlich etwa 161 Millionen US-Dollar erreicht haben, Farm Heroes Saga ungefähr 58 Millionen US-Dollar. Candy Crush Solitaire kam demnach in seinem ersten Jahr auf rund 13 Millionen US-Dollar. Auch diese Werte sind Schätzungen und keine bestätigten King-Geschäftszahlen.
Candy Crush ist damit kein nostalgischer Restbestand, den Microsoft nebenbei weiterlaufen lässt. Das Spiel gehört weiterhin zu den wirtschaftlich stärksten Mobile Games. Seine größte Leistung besteht inzwischen darin, dass diese Einnahmen ohne einen permanenten öffentlichen Hype erzielt werden.
Candy Crush ist zu einem unsichtbaren Alltagsprodukt geworden
Der geringe Gesprächswert sagt wenig über die tatsächliche Nutzung aus. Candy Crush hat sich von einem viralen Facebook- und Smartphone-Phänomen zu einem festen Alltagsprodukt entwickelt. Viele Spieler öffnen die App für wenige Minuten, absolvieren einige Level und schließen sie wieder. Dafür braucht es keine Gaming-Community, keine Livestreams und keinen jährlichen großen Nachfolger.
Das einfache Grundprinzip hilft dabei. Ein Level dauert meist nur wenige Minuten, die Steuerung benötigt keine Erklärung und das Spiel funktioniert auf gewöhnlichen Smartphones. Wer nach mehreren Monaten zurückkehrt, muss keine komplexen Systeme neu lernen. King kann gleichzeitig neue Events und Verkaufsangebote einbauen, ohne die bekannte Match-3-Mechanik grundsätzlich zu verändern.
Hinzu kommt eine enorme Menge an Nutzungsdaten. King verwendet Machine-Learning-Systeme unter anderem, um Angebote für einzelne Spieler anzupassen. In einer von King-Mitarbeitern veröffentlichten Untersuchung führte ein personalisiertes Empfehlungssystem bei getesteten Angeboten zu höheren Klick- und Annahmeraten. Candy Crush ist deshalb längst auch eine große Plattform zur Analyse von Spielerverhalten, auf der kleine Änderungen bei Millionen Nutzern getestet werden können.
Ein neues Spiel müsste diese Datenbasis, den gespeicherten Fortschritt und die tägliche Gewohnheit der Spieler erst aufbauen. Selbst mit großem Werbebudget wäre ein vergleichbarer Erfolg keineswegs garantiert.
Neue King-Apps sind inzwischen die Ausnahme
Der Eindruck, King veröffentliche keine neuen Apps mehr, ist nicht ganz richtig. Die Abstände zwischen größeren Veröffentlichungen sind jedoch auffällig.
Am 6. Februar 2025 erschien Candy Crush Solitaire weltweit. Das Spiel verwendet eine TriPeaks-Solitaire-Mechanik und kombiniert sie mit Figuren, Grafik und Fortschrittssystemen aus Candy Crush. King wagte damit zwar ein anderes Spielprinzip, sicherte das Projekt aber über seine bekannteste Marke ab.
Im Januar 2026 folgte Candy Crush Crushable. Dabei handelt es sich um ein tägliches Puzzle, das zunächst exklusiv über Yahoo Games in den USA angeboten wird. Crushable ist keine neue klassische Android- oder iPhone-App und auch keine neue Marke. Es erweitert Candy Crush auf eine zusätzliche Plattform und orientiert sich am erfolgreichen Konzept täglicher Browserrätsel.
Das nächste interessante Projekt heißt Minecraft Blast. King entwickelt das Mobile Game gemeinsam mit Mojang. Vorgesehen ist ein Puzzle-Spiel im Minecraft-Universum, das zunächst mit kleinen Tests in ausgewählten Märkten erprobt wird. Mojang beschreibt das Projekt ausdrücklich als sehr frühe Entwicklung. Auch hier greift King auf eine weltweit etablierte Marke aus dem Microsoft-Konzern zurück.
Eine vollständig neue King-Marke mit einem eigenen Universum, neuen Figuren und einem breiten weltweiten Start ist derzeit nicht angekündigt. Der Entwickler, der historisch mehr als 200 Titel produziert hat, arbeitet heute deutlich selektiver.
Eine neue App ist für King riskanter als ein weiteres Candy-Crush-Event
Das Verhalten wirkt auf den ersten Blick erstaunlich. King verfügt über erfahrene Entwickler, eine enorme Reichweite und mit Microsoft einen finanzstarken Eigentümer. Eigentlich wären das gute Voraussetzungen, regelmäßig neue Spiele auf den Markt zu bringen.
Der moderne Mobile-Games-Markt macht solche Projekte trotzdem teuer. Neue Apps benötigen hohe Werbeausgaben, müssen Spieler über Monate halten und konkurrieren mit tausenden etablierten Live-Service-Spielen. Ein technisch ordentliches Puzzle-Spiel reicht längst nicht mehr aus. Es braucht kontinuierliche Inhalte, personalisierte Angebote, Events, Community-Management und ein funktionierendes System für In-App-Käufe.
King besitzt all diese Strukturen bereits. Sie funktionieren jedoch besonders gut innerhalb von Candy Crush, weil dort eine große und über Jahre analysierte Nutzerbasis vorhanden ist. Eine neue Marke würde wieder bei null beginnen. Für Microsoft ist es wirtschaftlich plausibler, Candy Crush weiterzuentwickeln und King zusätzlich an bekannten Konzernmarken wie Minecraft arbeiten zu lassen.
Das erklärt auch, warum Candy Crush Solitaire und Minecraft Blast vorsichtig eingeführt werden. Solitaire übernimmt eine weltweit bekannte Spielmechanik. Minecraft Blast verwendet eine der bekanntesten Spielemarken überhaupt. Beide Projekte reduzieren das Risiko, dass Nutzer schon am Namen oder am Grundprinzip vorbeigehen.
Selbst King blieb von Microsofts Stellenabbau nicht verschont
Der anhaltende Erfolg schützt King nicht vor Sparmaßnahmen. Microsoft kündigte im Juli 2025 den Abbau von rund 9.000 Stellen an. Bei King sollten nach damaligen Berichten ungefähr 200 Arbeitsplätze entfallen, was etwa zehn Prozent der Belegschaft entsprach.
Das wirkt widersprüchlich, passt aber zur aktuellen Microsoft-Strategie. Ein profitables Produkt führt nicht automatisch dazu, dass der Konzern seine Entwicklungsstrukturen unverändert lässt. Microsoft bündelt Teams, reduziert Managementebenen und investiert gleichzeitig stark in Automatisierung und künstliche Intelligenz.
Für King erhöht das den Druck, bestehende Spiele effizienter zu betreiben. Candy Crush produziert fortlaufend neue Level, Events, Angebote und Varianten. Je stärker solche Abläufe standardisiert oder technisch unterstützt werden können, desto weniger gleicht King einem klassischen Entwickler, der alle paar Jahre ein neues Spiel veröffentlicht. Das Unternehmen wird zunehmend zu einem Betreiber großer, dauerhaft laufender Spielsysteme.
King braucht aktuell keinen zweiten Candy-Crush-Erfolg
Candy Crush wird 2026 noch gespielt, und zwar in einer Größenordnung, die fast jede andere Spiele-App alt aussehen lässt. Die häufig zitierte Marke von mehr als 200 Millionen monatlichen Nutzern gilt zwar für das gesamte King-Portfolio. Candy Crush bleibt darin jedoch der wirtschaftliche und strategische Mittelpunkt.
Die geringe Zahl neuer Apps ist daher kaum ein Zeichen dafür, dass King keine Ideen mehr hätte. Sie zeigt vor allem, wie wertvoll ein funktionierendes Mobile Game mit langfristig gebundenen Spielern geworden ist. Ein neues Spiel könnte erfolgreich werden. Candy Crush ist es bereits und erwirtschaftet nach externen Schätzungen weiterhin rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr.
King veröffentlicht deshalb keine Flut neuer Apps. Das Studio erweitert Candy Crush, überträgt die Marke auf Solitaire und Browserrätsel und testet mit Minecraft Blast eine weitere bekannte Microsoft-IP. Für Spieler wirkt das konservativ. Aus Unternehmenssicht ist es eine sehr kontrollierte Strategie: Der alte Hit wird weiter optimiert, während neue Projekte möglichst wenig eigenes Risiko mitbringen.
Candy Crush ist damit keineswegs verschwunden. Es ist nur so dauerhaft geworden, dass sein Erfolg kaum noch wie eine Nachricht wirkt.









